Im Zuge der Veröffentlichung von Stonebound 2: Vom Wasser gefesselt musste das Originalcover des Buches überarbeitet und angepasst werden. Dafür, dass nun alle Bände der Trilogie optisch so wunderbar zusammenpassen, ist die liebe Sarah Buhr von der Covermanufaktur verantwortlich. Sie hat gezaubert – denn sie hat etwas, von dem wir dachten, es wäre unmöglich, möglich gemacht.

Im Rahmen von Behind the Scenes haben wir Sarah um eine Vorstellung gebeten und sie zu ihrer Arbeit als Coverdesignerin befragt. Lest hier, wie es zur Gründung der Covermanufaktur kam, wie ihr Arbeitsalltag als Grafikerin aussieht und auch ein wenig über die Dynamik von Kreativität.

 

Behind the Scenes – Sarah Buhr

 

Liebe Sarah …

 

Hallo liebe Thordis :-)

 

... du hast das Unternehmen Covermanufaktur gegründet, dein eigenes Label zur Umschlaggestaltung von Buchcovern und Grafikdesigns. Wie kam es dazu?

 

Ach, das war eigentlich eine sehr witzige Geschichte. Eine Autorin (von der ich nicht weiß, ob sie genannt werden möchte) hatte mir damals für meinen Blog ein Rezensionsexemplar angeboten. Dieses gefiel mir auch gut, so dass man weiter ins Gespräch kam. Irgendwann zeigte sie mir dann vorab ihr neuestes Cover, welches noch ein Entwurf war, und erzählte mir auch, was ihr daran noch nicht gefällt. Es war schon wirklich  schön, aber es ging um die Farben, weshalb ich das Cover kurzerhand in Photoshop umgefärbt habe, um zu sehen, ob sie dieselbe Farbe wie ich im Kopf hatte. Und so brachte sie mich dann auf die Idee. Was anfangs eine ziemliche Schnapsidee war – ich konnte bei weitem nicht alles, was nötig war und musste mir alles „kurzerhand“ beibringen. Außerdem hätte ich auch nie daran geglaubt, dass daraus mal mehr werden könnte als ein „450€-Job“. Ich bin immer noch total überwältigt davon, wie sich das Ganze entwickelt hat und wie toll mich die Autoren aufgenommen haben. *Herzchen in den Augen* :D

 

Wer steckt hinter der Covermanufaktur? Bitte erzähle uns doch ein wenig von dir.

 

Oje, so Selbstbeschreibungen sind immer so wahnsinnig schwer, seufz. :D

Ich würde mich als sehr vielseitigen Menschen bezeichnen. Ich bin unfassbar chaotisch, versuche dieses aber so gut es geht zu vertuschen, was mir jedoch nicht immer gelingt. Dann ärgere ich mich kurz, aber dann ist es auch okay – ist ja irgendwie menschlich, lach. Ich entspreche nicht den Klischees: Ich trinke keinen Kaffee und male oder zeichne nicht. Herrje, was erzählt man denn noch so über sich? Ich lebe mit drei Hunden in Ostwestfalen, das ist in etwa dort, wo es Bielefeld nicht gibt. Ich bin ein absolutes Landei, ich würde nie alleine nachts durch eine Stadt gehen – auch nicht durch eine Kleinstadt. Ich bin extrem ehrlich und direkt, was manche sicherlich auch mal falsch auffassen, aber eigentlich hab ich ein großes und liebes Herz, behaupte ich jetzt mal so.  Meine Gedanken schweifen öfters mal ab, oder schon zum nächsten Projekt, es kann passieren, dass jemand mit mir redet und ich aus Versehen gedanklich bereits das nächste Projekt plane, aber ich schätze mal, dass ist der Fluch der Kreativität. Das lässt sich ja nicht mal eben ausstellen. Aber so im Allgemeinen bin ich vermutlich ein recht langweiliger und bodenständiger Mensch. Ich bin und lebe für die Covermanufaktur, was keineswegs negativ gemeint ist. Es ist mein Job, ja, aber er macht mir gleichzeitig so viel Spaß, dass ich ihn kurzerhand auch in meiner Freizeit einbaue.

 

Wie viele Cover gestaltest du durchschnittlich pro Jahr?

 

Das ist schwer zu beantworten, da ich erst am 12.8. letzten Jahres die Covermanufaktur gegründet habe und somit noch keine Durchschnittswerte liefern kann. Ich entwickle mich ja derzeit noch stetig weiter und selbiges gilt auch für die Covermanufaktur und damit verbunden auch den Kundenstamm. Aber im ersten Jahr dürften es so um die 100 individuelle Cover gewesen sein, von denen die meisten noch unter Verschluss sind. Premades so um die 400. Ich war also sehr fleißig :-)

 

Arbeitest du hauptsächlich mit Indie-Autoren oder auch für Verlage?

 

Ich arbeite hauptsächlich mit Indie-Autoren. Es gesellt sich auch mal der ein oder andere Kleinverlag dazu, und nun ganz neu auch ein großer Publikumsverlag, aber mein Herz wird immer für Indies schlagen. Die Verlagsarbeit ist toll, es ist immer schön, neue Dinge kennenzulernen und Herausforderungen anzunehmen, aber ich liebe den persönlichen Kontakt mit den Indies viel zu sehr, um das aufgeben zu wollen. Ich arbeite natürlich auch unheimlich gerne mit Verlagen zusammen, aber die Arten der Zusammenarbeit lassen sich nur arg schwer vergleichen.

 

Wie siehst die Entwicklung des Self-Publishings? Und auch der "Industrie", die drum herum entsteht?

 

Das ist immer eine schwierige Frage. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht mit den diversen Prognosen und Analysen beschäftige, da ich der Meinung bin, dass die Zeit die Entwicklung zeigen wird.  Dennoch halte ich die derzeitige Entwicklung für äußerst positiv, wenn man bedenkt, dass  vor wenigen Jahren noch keiner den Begriff „Self-Publishing“ kannte und jene Autoren nun eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die großen Verlage darstellen. Ich halte fairen Wettbewerb immer für gesund, daher denke ich, dass  es für die Verlage nun auch kein riesiges Drama darstellen wird. Die mir bekannten Gelegenheitsleser, also jene, die auch die Buchhandlungen bevölkern und das mitnehmen, was eben gerade in den Top 10 ist, kennen Indies sowieso nicht und kaufen somit zwangsläufig Verlagsbücher. Ich fände es allerdings schade, wenn die Digitalisierung irgendwann so weit vorangeschritten ist, dass es keine Printbücher mehr geben wird. Das hat allerdings nichts mit den Indies zu tun …

Ich schweife ab: Ich mag die Entwicklung bisher sehr. Sehr viele talentierte Autoren haben eine Chance bekommen und es hat auch einige Arbeitsplätze ermöglicht.  Die Indies dominieren nun auch meistens die Amazon Kindle Charts. Was will man mehr?

 

Wann macht die Arbeit an einem Cover besonders Spaß? Oder was magst du an der Arbeit vielleicht weniger? Hast du diesbezüglich vielleicht sogar Lieblingsgenres?

 

Argh, ganz böse Frage ;-)

Es ist immer schwierig, das zu definieren. Mein Herz schlägt für Fantasy und Jugendliteratur, aber ich kann mich durchaus auch für Cover begeistern, die inhaltlich nicht meinem Lesegeschmack entsprechen. Ich kann das - zum Glück - völlig ausklammern und mich lediglich darauf konzentrieren, dass die Verpackung schön wird. Besonders Spaß macht es mir, wenn ich mich mit dem Auftraggeber gut verstehe, der Kontakt nicht so trocken ist und die Idee vielleicht auch noch toll ist. Aber es gibt nur enorm wenige Aufträge, an denen ich keinen Spaß habe, eben weil ich mich weder auf einen festen Stil, noch auf ein festes Genre spezialisiere, wie es leider viele andere, sehr gute Designer tun (hoffe wir mal, dass  es so bleibt).

Es gibt aber auch Situationen, die gewaltig am Ego kratzen. Dazu gehört vor allem, wenn man von einem Entwurf total überzeugt ist, diesen voller Vorfreude abschickt und dann eine Absage bekommt. Allerdings gehört das nun mal dazu, man lernt damit umzugehen. Aber auch wenn jemand gar keine Ahnung hat, was er möchte, wird’s schwierig.

 

Haben die meisten Menschen denn klare Vorstellungen davon, wie das Cover gestaltet sein sollte?

 

Tatsächlich haben die Meisten bisher zumindest eine grobe Vorstellung gehabt. Ansonsten ist es auch sehr schwierig, sich was Passendes auszudenken, da ich die Manuskripte nicht lese und mich voll und ganz auf die gegebenen Informationen berufen muss. Es muss keine genaue Vorstellung sein, aber so ein kleiner Anschubser ist immer gut :-) 

 

Sarahs Arbeitsplatz - das Zentrum des kreativen Chaos
Sarahs Arbeitsplatz - das Zentrum des kreativen Chaos

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

 

Ich fange immer erst gaaaaaanz spät an zu arbeiten. Meistens ist es dann bereits dunkel – selbst im Sommer. Nachts habe ich einfach meine Ruhe, es gibt nicht viel, was mir dazwischen kommen kann oder mich aus der Konzentration reißt. Kann man so natürlich nur machen, wenn man keinen Mann oder Kinder hat, sonst wird’s schwierig. Ansonsten bearbeite ich aber auch tagsüber immer zwischendurch die Mails, FB-Nachrichten oder Whatsapp-Nachrichten. Richtig „frei“ habe ich eigentlich nie, da ich so gut wie immer erreichbar bin und sich die Gedanken ja doch immer um das nächste Projekt drehen. Manchmal ist es allerdings auch hart, wenn man die Kunden so verwöhnt, indem man gewöhnlich innerhalb weniger Minuten antwortet, dann ausnahmsweise mal nicht kann, und jene dann sauer oder enttäuscht reagieren. Ich verwöhne halt so gerne. :D

 

Liest du auch gerne? Bleibt dazu überhaupt Zeit? Wenn ja, was liest du am liebsten?

 

Ich lese schon gerne, muss aber gestehen, dass es seit der Selbstständigkeit leider arg wenig geworden ist. Wenn man den ganzen Tag etwas mit Büchern zu tun hat, ist der Ofen dann nach Feierabend irgendwie aus. Das möchte ich aber unbedingt wieder ändern. Wie bereits erwähnt, haben es mir besonders Fantasy- und Jugendbücher angetan. Es finden sich aber auch einige Thriller, Kriminalromane oder Bücher anderer Genres in meinen Regalen.

 

Zum Schluss, liebe Sarah, noch das Wichtigste: Nutellabrot mit oder ohne Butter?

 

Ganz unbedingt mit. Aber ich komm auch mit Margarine klar, das ist mir egal. Man gönnt sich ja sonst nichts. Und ein normales, helles Brötchen bitte. Viel interessanter ist doch eigentlich immer noch die gute alte Frage, ob zuerst das Huhn oder das Ei da war…  *grübel*

 

In der Tat – ich plädiere für das Ei :D Danke, Sarah, dass du dich den Fragen gestellt und uns und unseren Lesern einen  Einblick in dein (Berufs-)Leben gewährt hast.

 

Ich danke dir für dieses tolle Interview! Ich werde mich jetzt erst mal auf die Suche nach einem Nutellabrötchen machen :-)

 

Wer mehr über Sarahs Covers erfahren möchte, folgt bitte den Links:

www.covermanufaktur.de

https://www.facebook.com/Covermanufaktur/

 

 

Basierend auf dem Originaldesign von Alexandra Zieger hat Sarah Buhr die folgenden Cover überarbeitet und neu gestaltet. Zur besseren Ansicht das jeweilige Bild bitte einfach per Klick vergrößern.