Unserer lieben Coverdesignerin Alexandra Zieger haben wir mal ein paar Löcher in den Bauch gefragt. Wir wollten hinter die Kulissen blicken. Denn wie entsteht eigentlich ein Buchcover und was genau macht eine Grafikdesignerin überhaupt?

 

Los geht´s!

Viel Spaß mit

 

Behind the Scenes - Die Entstehung eines Buchcovers.

 

Alexandra, du bist eine junge, aufstrebende Künstlerin.

Erzähl uns doch bitte mal ein bisschen über dein bisheriges Leben. Wann hast du deine Liebe für Grafikdesign entdeckt und welche Ausbildung hast du gemacht?

 

Bereits im Volksschulalter habe ich meinen Eltern verkündet, dass ich eines Tages auf eine Kunstschule gehen werde. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass es genau die HTLBVA Ortweinschule (in Graz/Österreich) sein würde, doch gegen Ende der Unterstufe des Gymnasiums musste die Entscheidung getroffen werden.

Die bestandene Aufnahmeprüfung war dann meine Eintrittskarte in eine Schule, die besser für mich nicht sein hätte können: Keine Matura in Mathematik!

Dort lernte ich in meiner 5-jährigen Ausbildung alle wichtigen Grundlagen, die man als Grafikdesigner braucht und maturierte 2014 in der Fachsparte Grafik und Kommunikationsdesign.

Meine Kollegen verteilten sich danach auf Agenturen, Uni´s und FH´s. Ich fand aber noch kein richtiges Studium für mich und da ich sowieso mein Englisch verbessern wollte, entschied ich mich damals für ein Jahr als Au Pair in Amerika (Washington,Seattle). Ich habe aber nach der Schule nie aufgehört grafisch aktiv zu sein. Immer wieder kamen Freunde und Bekannte auf mich zu, die nur darauf gewartet hatten, dass mein Maturastress endlich vorbei und ich „frei“ für neue Aufträge war. Mittlerweile bin ich Studentin an der Karl-Franzens-Universität und studiere Soziologie. Das Studium ist sehr facettenreich und durch Gesellschaftsforschung durchaus mit Kommunikation und Marketing zu verbinden.

Es bereitet mir mehr Freude frei und selbstständig neue Dinge in der Grafik zu erarbeiten, daher habe ich mein Studium aus reinem Interesse an der Gesellschaftsforschung und den Strukturen menschlichen Zusammenlebens gewählt. Nebenbei arbeite ich an der österreichischen Hochschülerschaft (kurz ÖH) und designe deren Magazin, die Libelle, das 4x jährlich erscheint. Ein gesamtes Magazindesign mein Eigen zu nennen macht mich doch sehr stolz.

 

Was genau macht eigentlich eine Grafikerin?

 

Der klassische Grafiker erhält Aufträge, die den Kunden mit seiner Idee ins rechte Licht setzen soll. Kurz gesagt, ein Projekt muss so visualisiert werden, dass es im wahrsten Sinne des Wortes zum Blickfang wird. Von der Arbeit des Grafikers hängt ein sehr großer Teil des gesamten Erfolges eines Produkts oder Projekts ab. Ist das Design nicht gut, wird die gesamte Idee dahinter in Vergessenheit geraten. Oft vergessen viele Menschen, wie wichtig der öffentliche Auftritt wirklich ist und wie viel Arbeit dahinter steckt.

 

Woher nimmst du die kreativen Ideen? Kann man trainieren, dass schon bei ersten Gesprächen mit Kunden direkt Ideen im Kopf entstehen oder bedarf das einer gewissen Begabung? Lernt man das in der Ausbildung?

 

Müsste ich nach Lehrbuch antworten, müsste ich sagen: Ja, der kreative Prozess ist lernbar. Ich selbst habe aber noch nie von irgendwelchen von meinen Lehrern empfohlenen Strategien gebrauch gemacht. Es ist die Kombination aus Übung und Begabung, dass ich eigentlich fast immer sofort eine Idee habe. Es hängt aber natürlich stark von der Art des Projektes ab. Ein Buchcover lässt viel mehr künstlerischen Spielraum, hingegen Logos für Firmen können schon mal eine Herausforderung sein, wenn es sich um Dienstleistungen handelt, für die es keine eindeutigen Symbole gibt. Wirtschaft oder Unternehmensberatung beispielsweise. Die Umsetzung selbst ist dann aber nur noch erlernt, denn das Bild im Kopf auf den Computerbildschirm und anschließend in den Druck zu bringen, sind reine Kenntnisse der Programme. Bei jedem Projekt lernt man dabei dazu.

 

Ein Buchcover ist ja quasi das Werbeplakat für einen Roman. Worauf kommt es deiner Meinung nach bei der Gestaltung eines Buchcovers an?

 

Ich weiß nicht, ob es an meiner "Lesefaulheit" oder an meinem Beruf liegt, aber gefällt mir das Cover eines Buches nicht, würde ich es nicht kaufen. Viele Freunde haben mir aber gestanden, dass sie ebenso denken, deshalb bin ich der Meinung, dass es am Wichtigsten ist (wie bei allen grafischen Dingen), die Zielgruppe anzusprechen. Ist ein Cover zu altmodisch, zu flippig oder zu kitschig für eine Zielgruppe, werden die Verkaufszahlen sicher nicht durch die Decke gehen. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, dennoch kann man als Grafiker den Geschmack einer ganzen Gruppe oder Generation treffen und somit viele Menschen vom Kauf eines Buches überzeugen.

 

Hast du freie Hand bei der Gestaltung von Auftragsarbeiten oder schreibt der Arbeitgeber vor, was er haben will? Schreibt der Kunde z.B. vor, was das Cover enthalten soll?

 

Das kommt ganz auf den Kunden an. Manche habe gar keine Vorstellung und sind für jede Idee dankbar, andere haben aber schon ein sehr konkretes Bild im Kopf zu ihrem Buch. Ich passe mich eigentlich immer den Kunden an. Ich berate und weise natürlich darauf hin, falls etwas werbetechnisch gar funktioniert. Hat der Kunde aber eine sehr feste Vorstellung, versuche ich dem natürlich gerecht zu werden. Da ich vor allem kleine Unternehmen betreue, zählt am Ende nicht ein Design, welches die Weltherrschaft auf dem Markt übernimmt, sondern ein glücklicher Kunde, der sich mit seiner Arbeit 1:1 im Design wiederfindet.

 

Fällt es als kreativer Kopf schwer, nach Vorgaben von Kunden zu arbeiten?

 

Nein, gar nicht, dann ist es eben der reiner Arbeitsprozess und völlig ok. Ehrlicherweise muss man aber sagen, man empfindet  bei Arbeiten mit vielen Freiheiten größeren Stolz, da man alles selbst geschaffen hat. Dennoch können vorgegebene Linien den Arbeitsprozess beschleunigen und man kann sehr zufrieden auf große Projekte zurückschauen.

 

Ist es für die Covergestaltung notwendig, das gesamte Buch zu lesen? Oder arbeitest du hauptsächlich mit Exposé und Leseproben?

 

Das ganze Buch zu lesen macht auf jeden Fall Sinn. Man kann dabei auf dem Cover eine Stimmung miteinfließen lassen, die man beim Lesen empfunden hat. Es ist aber nicht zwingend notwendig, denn oft soll bald einmal ein Design mit Hand und Fuß stehen. Ein präzises Briefing mit vielen Details des Kunden kann dann oft schon ausreichen, den richtigen Nerv zu treffen.

Im Falle des Romans Stonebound hat mich Thordis beispielsweise auf Szenen aus der Story hingewiesen, die das Buch auf dem Cover gut repräsentieren könnten. Anfangs haben wir viel mit „magischen Steinen“ gearbeitet, bis wir uns aber schlussendlich für die Anfangsszene entschlossen haben, die den Blickwinkel Elbas von ihrem Fenster aus in den Garten visualisiert hat. Immerhin darf das Cover ja auch nicht zu viel verraten ;)

 

Wie sieht der Ablauf der Covergestaltung aus? Von den allerersten Schritten bis zum fertigen Cover?

 

Wie bei allen Projekten ist das Briefing das A und O. Die Vorstellungen und Wünsche des Kunden stehen im Vordergrund. Jeder Grafiker hat in den weiteren Schritten seine Technik. Ich selbst mache meistens 3-4 Entwürfe, die in verschiedene Richtungen gehen. Dann darf der Kunde weiter entscheiden, wie es weiter geht, und man tastet sich so weiter Richtung Ziel. Ist der finale Entwurf „abgesegnet“, geht’s ans Technische. Erstellung im Indesign sowie Datenaufbereitung für Druck und Web. Achtung Product-Placement : Am einfachsten ist die Kundeninteraktion für mich via Dropbox - somit haben beide Parteien Zugriff auf die Dateien, da meine Kunden sich meist selbst um den Druck kümmern und auch Ausbesserungen sofort upgedatet werden.

 

Wie lange arbeitet man durchschnittlich an einem Cover?

 

Der Ideenfindungsprozess nimmt oft ein paar Tage in Anspruch. In der Umsetzung bin ich meist recht flott und habe bei konkreten Ideen binnen weniger Stunden einige Entwürfe fertig. Sobald der Kunde sich für den finalen Entwurf entschieden hat, sind es nur noch einige Stunden, bis das Cover steht. Jedoch können Änderungen verschiedenster Art den Prozess sehr stark verlangsamen. Ganz nach dem Motto: Kleinvieh macht auch Mist.

 

Welche Unterschiede gibt es zu beachten zwischen eBook-Cover und Taschenbuch-Cover?

 

Grafisch gesehen muss man natürlich beachten, dass die Datei für die Printversion in Druckfarben gesichert ist und für den digitalen Gebrauch in Web-Farben. Weiters gibt es immer unterschiedliche Formate zwischen Web und Print, da kommt es oft vor, dass man ein Cover komplett „umbasteln“ muss, da die Anordnung in einem anderen Format nicht mehr stimmig ist.

 

Das endgültige Cover des Romans Stonebound hast du ja beispielsweise mit der Hand gezeichnet. Arbeitest du lieber mit Fotografien oder Zeichnungen? Machst du die Fotografien und Zeichnungen selbst oder arbeitest du mit jemandem zusammen?

 

All meine Designs kommen ausschließlich von mir, das bedeutet, dass ich meine Zeichnungen auch selbst abfotografiere und verarbeite. Bei anderen grafischen Projekten kann es aber schon sein, dass ich mit Photocredits arbeite, da ich eben nicht professionell fotografiere. Oft wird mir aber schon vorab Bildmaterial vom Kunden gestellt.

 

Wie unterscheidet sich ein Auftrag für ein Buchcoverdesign von anderen Grafikdesign-Aufträgen?

 

Im Grunde kaum. Der größte Unterschied ist, dass man es wie ein Kunstwerk gestalten kann und dadurch sehr künstlerisch arbeiten kann.

 

Wie stimmst du die Farben ab und warum wählst du diese aus?

 

Die Farben sind ein wichtiger Punkt im Corporate Design. Sie tragen die Verantwortung für die Stimmung. Meist wähle ich die Farben nach Gefühl. Es gibt aber auch Regeln, wie das Einsetzen von Farben am besten funktioniert. Die Kombination von rot und gelb kommuniziert beispielsweise günstige Produkte (Billa, Mc Donalds...).

 

Arbeitest du mit den Gestaltgesetzen und wenn nicht, warum?

 

Meiner Meinung nach existieren die Regeln für stimmiges Designen nur, weil es Menschen ohne den 6ten Sinn für Balance im Design gibt. Um fair zu bleiben, muss ich sagen, dass gewisse Regeln wie der goldene Schnitt im Layout sehr wohl wichtig sind und sehr hilfreich beim Erlernen meiner grafischen Fähigkeiten waren. In der Praxis habe ich aber oft eher mit Arbeiten nach meinem Gefühl bei Kunden gepunktet.

 

Was für Kontraste möchtest du setzen und welche eher nicht?

 

Siehe Frage: „Wie stimmst Du die Farben ab und warum wählst Du diese aus?“ Ist eigentlich die gleiche Antwort J

 

Zu deiner Ausbildung gehörte beispielsweise ein Praktikum in einer Druckerei. War dies hilfreich für deine weitere Arbeit? Inwiefern?

 

Ja, wir mussten insgesamt 9 Wochen ein Praktikum in einem Betrieb, der unserer Ausbildung zu Gute kommt, absolvieren. Es war auf jeden Fall hilfreich in allen Bereichen der Druckvorstufe und dem Druck Erfahrungen zu sammeln, da es oft zu vielen Missverständnissen zwischen Druckerei und Grafiker kommen kann, denen man dann aber mit ein wenig Druckerei-Erfahrung entgegenwirken kann.

 

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Darf man sich den als den klassischen Künstlerarbeitstisch, voller Farbtöpfchen, Pinsel, Stiften in verschiedenen Härten, Papier und Leinwandbögen vorstellen? Oder findet deine Arbeit zum Großteil einfach am Computer statt, mit Photoshop, InDesign und ähnlichen Programmen?

 

Mein Arbeitsplatz ist sehr simpel. Ein Schreibtisch, auf dem Platz für mein Grafiktablet und einen Skizzenblock ist. Die Skizzen mache ich aber auch oft liegend auf dem Boden oder auf dem Sofa. Für die Umsetzung am Laptop brauche ich dann aber doch den Schreibtisch. Falls ich mal Zeit für Malereien habe, male ich auf dem Boden oder lehne die Leinwand an die Zimmerwand ohne Staffelei. Studenten haben ja nie Geld für irgendwas ;)

 

Was gefällt dir an dieser Arbeit besonders gut, was vielleicht weniger?

 

Ideen kommen von alleine, es bereitet mir keine Mühe, neue Projekte zu starten, und das macht mir großen Spaß. Vor allem wenn man wenige bis keine Design-Vorgaben hat. Mühsam wird es dann aber, wenn die Anzahl der Wünsche und Werbemittel der Kunden mein Zeitbudget überschreiten und man nur noch wie am Fließband arbeitet. Manchmal gehört das aber auch dazu.

 

Mit den heutigen Kommunikationsmitteln ist es ja wahrscheinlich nicht immer notwendig, weite Distanzen zu überwinden, um Auftraggeber zu treffen. Wie sieht die Zusammenarbeit bei internationalen Aufträgen aus?

 

Die meisten Aufträge sind aus der Gegend, also Graz und Graz Umgebung. Mit Thordis habe ich aber während meines Auslandsaufenthalts in Amerika viel über Whatsapp, Skype und Dropbox gearbeitet. Es ist eine Herausforderung, wenn der Kunde nicht vor Ort ist, aber kein Ding der Unmöglichkeit in Zeiten des 21. JHD. Trotzdem bevorzuge ich es, persönlich von Angesicht zu Angesicht mit den Kunden zu sprechen, sofern es sich nicht nur um kleine Änderungen handelt. Dabei kann ich schnell mal skizzieren und dem Kunden am PC etwas zeigen.

 

Liebe Alexandra, wir danken für den ausführlichen Einblick in deine Welt des Grafikdesigns!

 

 

Für weitere Infos geht es hier zur Homepage von Alexandra Zieger: ACIZI Grafikdesign

 

(Das Copyright aller Fotos und Bilder der Galerie liegt bei Alexandra Zieger. Um ein Bild zu vergrößern und den Text zu lesen, einfach auf das betreffende Bild klicken.)